Die Apple Watch: „Das Killerfeature ist die Interaktion mit einer vernetzten Umwelt“

Florian Schumacher zur Apple Watch
Florian Schumacher zur Apple Watch

Die Apple Watch – seit dem 24. April ist sie nun auch in Deutschland zu haben. Mehr als drei Jahre hat Apple in die Entwicklung der smarten Uhr investiert. Es scheint sich gelohnt zu haben. War die Smartwatch bisher eher ein Produkt, das noch nicht auf das Interesse der breiten Masse stieß, – betrachtet man den Fakt, dass laut dem Marktforschungsunternehmen Smartwatch Group 2014 nur ca. 6,8 Millionen Uhren von 89 unterschiedlichen Herstellern weltweit verkauft wurden – hat die Apple Watch in jedem Fall das Interesse neuer Zielgruppen geweckt.  So wurden bereits am ersten Wochenende nach dem Verkaufsstart allein in den USA fast eine Million Apple Watches vorbestellt. Wer sich in Deutschland eine Apple Watch zulegen möchte, der muss sich jedoch nach wie vor mehrere Wochen gedulden. Aber auch hier ist der Andrang auf das neue Gadget deutlich zu spüren.

Kurz vor dem Launch der Apple Watch hatten wir die Chance, Florian Schumacher zum neuen Produkt der „Apfel-Firma“ zu interviewen. Er ist Gründer der Quntified Self Bewegung in Deutschland, Digital Health Consultant bei der Unternehmensberatung iic-solutions in München und passionierter Self-Tracker. Sein Ziel: Die Verbreitung von Wissen zu Self-Tracking-Technologien und Self-Tracking.

Ist der Launch der Apple Watch der nächste große Schritt in Bezug auf die Akzeptanz und Nutzung von Smartwatches?

FLORIAN SCHUMACHER: Schaut man sich die Prognosen für den Verkauf der Apple Watch an, kann man auf jeden Fall festhalten, dass es definitiv eine Strategie von Apple ist, die Nutzung von Wearables – vor allem im Gesundheitsbereich – voranzutreiben. Letztes Jahr wurden zirka 20 oder 30 Millionen Fitnessarmbänder verkauft und dieses Jahr werden es wahrscheinlich noch ein bisschen mehr. Zusätzlich werden aber auch mindestens so viele Smartwatches verkauft werden. Zwar ist das aktuell noch die erste Generation der Apple Watch. Langfristig gesehen, könnte die Watch in meinen Augen aber auf jeden Fall ein Gerät werden, das Menschen dauerhaft bei sich tragen. Durch diese kontinuierliche Körpernähe über Jahre hinweg, eignet sich die Watch – anders als reine Fitness-armbänder, die in vielen Fällen nur ein paar Wochen und Monate genutzt werden – noch besser, um Daten über und für jeden einzelnen zu sammeln. Deshalb bin ich der Meinung, dass Apple mit der Apple Watch den ersten Schritt in die richtige Richtung gemacht hat und dass das in Zukunft noch eine wichtige Bedeutung haben wird.

Aktuell wird noch sehr viel darüber diskutiert, was denn nun der Mehrwert, beziehungsweise der USP der Smartwatch ist, da viele Funktionen der Watch schon heute mit dem Smartphone möglich sind. Was ist denn für Sie persönlich der Mehrwert?

FLORIAN SCHUMACHER: Eine Sache, die ich mir mit der Uhr sehr gut vorstellen kann, ist das Thema Navigation. Wenn ich zum Beispiel zu Fuß unterwegs bin und meine Uhr mich direkt in die richtige Richtung dirigiert. Weiterhin ist der schnellere Zugriff auf Informationen, wie auch das Thema Notifications für Anrufe und Mails ein Aspekt der Uhr, den ich als sinnvoll erachte. Darüber hinaus wird die Sportfunktion sicher von vielen genutzt werden. All das sind aber keine Killerfeatures. Das Killerfeature ist für mich die Interaktion der Uhr mit einer vernetzten Umwelt. Features, die in irgendeiner Weise in Kombination mit einer smarten Umgebung oder mit einer smarten Infrastruktur stehen, bieten den größten Mehrwert. Dabei ist vor allem das Bezahlen mit der Uhr eine ganz tolle Lösung. Aber leider ist Deutschland, was die Akzeptanz des bargeldlosen Bezahlens angeht, so ziemlich das Schlusslicht. Im Gegensatz dazu sind es in Schweden mittlerweile zirka 90 % der Bezahlungen, die elektronisch ablaufen und auch die Engländer sind in dieser Sache recht weit.

Apple Watch

Apple Watch – Creative Common Lizenz: (license)

Wann wird der Gedanke des Internet of Things / Internet of Everything in Deutschland so richtig ankommen?

FLORIAN SCHUMACHER: Das ist schwierig zu sagen. Denn eigentlich gibt es bereits sehr vieles. Ich habe zum Beispiel Freunde, die ein elektrisches Türschloss, vernetzte Beleuchtung und ein Auto haben, das ohne Schlüssel mit einer App geöffnet und gesteuert werden kann. Deshalb ist das immer auch eine persönliche Entscheidung darüber, wie vernetzt man leben möchte. Wenn ich will, kann ich schon heute sehr vernetzt leben. Nichts desto trotz gibt es noch Optimierungsbedarf was die Infrastruktur angeht. Ein weiteres Problem ist aktuell noch die Kommunikation der Geräte untereinander, denn es gibt einfach noch zu viele unterschiedliche Standards. Zukünftig braucht es deshalb eine Plattform, die garantiert, dass die Kommunikation klappt. Sicherlich werden Google und Apple in den kommenden Jahren verstärkt daran arbeiten. Ich würde sagen, nächstes Jahr könnte so ein Jahr sein, in dem große Fortschritte passieren könnten. Ob die neu entwickelten Techniken dann aber auch von den Deutschen genutzt werden, das kann ich natürlich nicht sagen. Ein Teil wird sie sicherlich nutzen, aber bis all diese Technologien den Tante Emma Laden erreichen, wird es sicherlich noch dauern.

Wenn man jetzt mal einen Blick in die Glaskugel werfen. Was denken Sie, werden die nächsten großen Entwicklungen sein im Bereich Wearables?

FLORIAN SCHUMACHER: Ich glaube, dass vor allem die Intelligenz der Geräte deutlich zunimmt. Ging es in den letzten Jahren vermehrt um das Thema Bewegungsmessung, geht es heute eher darum, wirklich einzelne Aktivitäten zu erkennen. Also zum Beispiel, dass die Uhr erkennt, wenn ich mich schlafen lege oder welche Art von sportlicher Aktivität ich gerade betreibe. So weiß die Watch ganz genau, ob ich Fahrrad fahre oder jogge und kann im Umkehrschluss festhalten, wie viele Stunden pro Woche welche Aktivität ausgeübt wurden. Die Geräte, die in Zukunft erfolgreich sein werden, können aber auch Informationen leichter und präziser interpretieren.

Wenn die Smartwatch alles tracked und uns sagt, was wir wann tun sollten, glauben sie, dass wir irgendwann verlernen, auf unseren Körper zu hören?

FLORIAN SCHUMACHER: Nein, das glaube ich nicht. Ich bin der Meinung, dass man die Smartwatch eher dazu nutzen kann, seine Wahrnehmung zu schärfen – gerade bei der Frage, ob wir uns am Tag genügend bewegen oder nicht. Denn das können Menschen häufig nicht präzise einschätzen. Und da kann ein Schrittzähler schon hilfreich sein, der einem sagt, wie viel ich laufe. Deshalb glaube ich, dass die Menschen mit der Zeit ihre Sinne schärfen und die Wahrnehmung für gewisse Aspekte im Leben erweitern. Trotzdem kann es Bereiche geben, also menschliche Sinne und Fähigkeiten, die sich mit der Zeit zurückbilden. Zum Beispiel das Thema Navigation. Wenn man heute jemandem eine Karte aus Papier in die Hand gibt, bekommt derjenige nicht selten Probleme. Das ist nicht mehr wie früher, als das noch total normal war. Letztendlich ist das aber alles immer so ein Kompromiss: Denn durch jede technisch motivierte Erleichterung werden wieder neue Kapazitäten frei, die anderweitig genutzt werden können. Deshalb sehe ich in dieser Entwicklung eigentlich immer das Positive und bin der Meinung, dass es auch völlig in Ordnung ist, sich auf Technologien zu verlassen.

Was ist ihre abschließende Einschätzung zum Launch der Apple Watch?

FLORIAN SCHUMACHER: Ich habe mir bereits eine Apple Watch bestellt und glaube auch, dass ich sehr viel Spaß mit dem Gerät haben werde. Trotzdem bin ich der Ansicht, dass das Gadget aktuell noch nicht der Hit für die breite Masse, sondern eher ein Produkt für sogenannte Early Adopter ist. Das muss nichts Schlechtes sein. Denkt man nur einmal an die Geschichte des Smartphones zurück. Auch hier hatte zu Beginn nicht jeder eines und heute besitzt nahezu jeder ein mobiles Endgerät.

Quellen:

http://igrowdigital.com/de/about-de/
http://www.golem.de/news/apple-eine-million-vorbestellungen-fuer-die-apple-watch-1504-113458.html
http://www.netzwelt.de/news/152412-apple-watch-lange-lieferzeiten-wegen-produktionsproblemen.html
http://www.netzwelt.de/mobile/apple-iwatch.html