Die Webserie erobert deutsches Territorium

Manuel Uhlitzsch im Interview

Während der Werbemarkt der linearen Fernsehlandschaft weiterhin treu bleibt, orientieren sich die Zuschauer langsam aber sicher um. Die Webserie erobert deutsches Territorium. Unsere Digital Natives erwarten erstklassige Inhalte – wie kann so etwas zukünftig realisiert werden?

Die Einführung von Netflix am deutschen Markt galt als ein Signal für deutsche Sender und verschärfte vorerst die Situation am Online-Fernsehmarkt. Zwar ist die Angebotsvielfalt der klassischen TV-Sender im Netz nicht zu unterschätzen, allerdings ist ein Großteil ihrer Erlöse nicht dem Bewegtbild geschuldet, sondern artfremden Engagements wie Spielen und E-Commerce. Kosten für Werbung und Lizenzgebühren bremsen die Umsatzerfolge im Internet immer wieder aus. Indem sich Netflix gegenüber deutschem Produktionsmaterial zunächst kooperativ zeigte, hoffte der TV-Markt auf eine Chance, die fernsehmüde Zuschauergruppe im Internet zukünftig besser zu erreichen. Aus der Beauftragung lokaler Produktionen wurde jedoch nichts. „Wir haben in Deutschland Ausschau gehalten nach geeigneten Stoffen – aber nichts gefunden“, erklärte Netflix-Firmengründer und CEO Reed Hastings im Interview (Blickpunkt: Film, Sept. 2014).

Ist das Netflix-Prinzip Zukunftsmusik?

Ob Netflix auch in Zukunft mit dem Bezahlmodell die jungen Zuschauer an sich binden kann, ist noch fraglich. Der Bedarf an Free Programmen wächst stetig. Aber warum bleiben Online-Mediatheken trotz alledem nahezu ungenutzt? Die Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) hat zusammen mit Nielsen ein ernüchterndes Bild gezeichnet: Demnach gab es im Jahr 2014 unter den besten zehn Angeboten der ARD gerade einmal vier Millionen Aufrufe. Bei der ProSieben Mediathek nur 3,5 Millionen.

Im Vergleich erreicht Youtube für ein neues Video im Durchschnitt bis zu 500.000 Aufrufe täglich. Plattformen wie Youtube und MyVideo sind mit nutzergenerierten Inhalten groß geworden. Wenn wir uns zurück erinnern, kommen uns vor allem kurze, eigens produzierte, witzige Videos in den Kopf, die wir gerne mit Freunden geteilt haben. Heute geht die Entwicklung immer mehr weg von diesem Prinzip hin zu professionellen Inhalten.

„Der Lack ist ab“

Studio71 als ein Produkt der ProSiebenSat1. Gruppe war bereits ein guter Anfang, um Youtube erstmalig für sich nutzbar zu machen und an den Trend anzuknüpfen. Im April dieses Jahres wurde noch ein weiteres Format gelauncht: „Der Lack ist ab“. Mit dieser neuen Eigenproduktion soll das Portal MyVideo der ProSiebenSat1. Tochter Magic Internet den Kinderschuhen entwachsen.

Fast neun Jahre nach dem Start der Seite und einem Angebot von ausschließlich kostenfreiem, nutzergenerierten Inhalten soll nun der Video-on-Demand Dienst unter einer neuen Geschäftsführung professionalisiert werden. „Der Fokus unserer Strategie liegt auf Premium Content, und das über alle Plattformen und Endgeräte hinweg“, sagt Sören Ziems, COO der ProSiebenSat.1-Tochter Magic Internet. Die neue Serie „Der Lack ist ab“ wurde exklusiv für das werbefinanzierte Videoportal gedreht und soll einen Anstoß für weitere Eigenproduktionen geben. Mit kurzen Laufzeiten von zehn Minuten sollen auch Zuschauer unterwegs angesprochen werden, die die Inhalte auf mobilen Endgeräten anschauen. “Die Zuschauer können sich auf einen Mix aus Komödie mit realitätsnahen Elementen freuen, der das Genre Web-Fiction um einen unterhaltsamen Beitrag bereichert“, verspricht Kai Wiesinger, einer der Hauptdarsteller in der Serie.

Das Konzept scheint erfolgreich: Seit dem 1. Oktober 2015 ist die Serie in die zweite Staffel gestartet. Wir haben uns einmal mit Manuel Uhlitzsch, CEO und Managing Director der Magic Internet GmbH / MyVideo,  unterhalten, der uns den Weg der Plattform noch einmal aus exklusiver Perspektive beleuchtet:

Fazit: Das Sender-Empfänger Schema stirbt aus.

Auch im Internet wird immer deutlicher, dass Streaming Angebote – ob Sender eigens oder nicht – nur der Anfang einer Antwort auf die digitale Veränderung sind. Die neuen Rezeptionsformen werden kommunikativer und haben mit reiner Sendung von Inhalten nur noch wenig zu tun. „Wer auch immer in diesem zuschauerstarken Segment des werbefinanzierten Video-Streamings aktiv sein will, benötigt ein ganz neues Verständnis von Fernsehen“, prognostiziert Dr. Florian Kerkau, Geschäftsführer Goldmedia Custom Research GmbH. Wir werden uns diesem Thema also in Zukunft noch stärker widmen.

Quellen:

http://www.dwdl.de/nachrichten/50256/prosiebensat1_baut_videoportal_myvideo_um/

http://www.goldmedia.com/blog/2014/12/trendmonitor-2015-zuschauer-treiben-tv-sender-ins-internet-trend-ausblick-von-florian-kerkau/

http://www.digitalfernsehen.de/ProSiebenSat-1-will-MyVideo-weiter-professionalisieren.126052.0.html

https://re-publica.de/member/4954

http://www.wuv.de/digital/der_lack_ist_ab_myvideo_webserie_geht_in_zweite_runde

http://www.gruenderszene.de/datenbank/unternehmen/myvideo